1.4.2026
Bei Patient:innen mit ausgeprägten Weichteildefekten – etwa infolge großflächiger Verbrennungen, komplexer Wunden, traumatischer Verletzungen oder Resektionen – ist die Medizin noch immer allzu oft auf Kompromisslösungen angewiesen: invasive Transplantationsverfahren, synthetische Implantate und Lösungen, die zwar die Form unvollkommen wiederherstellen, aber selten die lebende physiologische Funktion.
Genau das will Cellbricks Therapeutics ändern. Das Start-up mit Sitz in Berlin konzentriert sich derzeit vorrangig auf große ungedeckte Bedürfnisse in den Bereichen rekonstruktive Chirurgie, Wundheilung und Traumaversorgung. Das Lead-Programm des Unternehmens für vaskularisierte Fettgewebetransplantate zielt darauf ab, komplexe Weichteildefekte zu behandeln und biologische Alternativen zu synthetischen Implantaten zu ermöglichen, unter anderem bei der Brustrekonstruktion nach Mammakarzinom. Sowohl für Patient:innen als auch für Ärzt:innen ist der Bedarf eindeutig: eine bessere biologische Integration, eine schnellere Vaskularisierung und verbesserte funktionelle Ergebnisse. Auch aus militärischen Kreisen und militärnahen Forschungseinrichtungen wird im Hinblick auf die Versorgung von Wunden Interesse an der Technologie von Cellbricks signalisiert.

Das Vertrauen in diesen Ansatz spiegelt sich auch auf Investorenseite wider: Cellbricks hat nun eine Finanzierungsrunde über sieben Millionen bekannt gegeben, die die nächste Phase der translationalen Entwicklung seiner biofabrizierten humanen Gewebe ermöglichen wird. Nachdem bereits präklinische Studien im Mausmodell die erfolgreiche Implantation und Funktionalität der 3D-gedruckten Gewebekonstrukte gezeigt haben, erfolgt nun die Validierung in Großtiermodellen, insbesondere im Schwein, um die klinische Übertragbarkeit weiter zu untermauern.
Die Finanzierungsrunde wurde von Silicon Roundabout Ventures angeführt, unter Beteiligung der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND, des Bestandsinvestors ACT Venture Partners und einer Investorengruppe, die Cellbricks mitunter bereits langfristig unterstützt. Zu weiteren mehr als drei Millionen Euro unter anderem aus verschiedenen Forschungsförderungsprogrammen laufen derzeit Gespräche.


SPRIND hat bereits im Jahr 2023 den Funke Wettbewerb Tissue Engineering
gestartet, um die Entwicklung innovativer Technologien für die Herstellung von Geweben für medizinische Anwendungen beim Menschen voranzutreiben. Cellbricks war damals eines der vier Teams, die dazu mit einem Auftrag von 500.000 Euro ausgestattet wurden.
Die Bundesagentur überzeugte sowohl die Kompetenz des engagierten Teams als auch die ambitionierte Vision: das Drucken funktionsfähiger Gewebe bis hin zu kompletten Organen, beispielsweise der Leber. Die Einheilung klassischer Implantate scheitert derzeit an der mangelnden Gefäßbildung und Durchblutung der neuen Gewebestrukturen, das heißt an der Vaskularisierung. Cellbricks hat sich zum Ziel gesetzt, diese zentrale Hürde des Tissue Engineerings zu überwinden. Mittels 3D-Bioprinting soll komplexes Weichgewebe mit integrierten Mikrokanälen aus patienteneigenen Zellen hergestellt werden, das nach der Implantation rasch durchblutet wird. Diese Gewebetherapeutika werden im Labor biotechnologisch hergestellt und schließlich in den Körper der Patient:innen implantiert. Um die Realisierung weiter voranzutreiben, hat sich SPRIND nun an der Seed-Finanzierungsrunde beteiligt.
Cellbricks Therapeutics ist ein Biotechnologieunternehmen mit Hauptsitz in Berlin und einem weiteren Standort in Boston. Kern des Unternehmens ist eine proprietäre Biofabrikationsplattform, die 3D-Bioprinting mit maßgeschneiderten Biomaterialien und humanen Zellen kombiniert. Auf dieser Basis entwickelt Cellbricks vaskularisierte Gewebetherapeutika, die darauf ausgelegt sind, geschädigtes Gewebe funktionell zu ersetzen – insbesondere bei komplexen Wunden und Weichteildefekten, mit perspektivischen Anwendungen in der Organregeneration. Cellbricks Therapeutics ist aus der Forschung von Dr. Lutz Kloke an der Technischen Universität Berlin hervorgegangen. Das Führungsteam besteht heute aus Alexander Leutner (Co-CEO Business, Co-Founder), Dr. Simon MacKenzie (Co-CEO Therapeutic Programs), Dr. Kathy Kordy, MD (CMO), Dr. Tobias Lam (CTO, Co-Founder) und Michael Kring (CFO). Das Unternehmen vereint ein interdisziplinäres Team aus Biotechnolog:innen, Ingenieur:innen, Chemiker:innen und Entrepreneur:innen aus über 14 Ländern.

Weitere Beiträge zu diesem Thema