Europa wird infolge des demografischen Wandels in den kommenden zehn Jahren 20 Millionen Arbeitskräfte verlieren. Mindestens die Hälfte davon durch Roboter zu ersetzen, ist eine enorme Herausforderung und wird entscheidend sein, um unseren Wohlstand zu sichern. Wir müssen sicherstellen, dass Roboter zuverlässige Helfer sind, die unseren Werten entsprechen und den Bedürfnissen unserer Gesellschaft gerecht werden.
Interview Alin Albu-Schäffer

Alin Albu-Schäffer ist Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Professor an der Technischen Universität München (TUM). Seit 1995 ist er am DLR tätig. Seine Forschung konzentriert sich auf Leichtbauroboter, die sicher mit Menschen zusammenarbeiten und in Bereichen von der Raumfahrt und Industrie bis hin zum Gesundheitswesen und dem häuslichen Umfeld zum Einsatz kommen.
Warum muss es diese Initiative gerade jetzt geben?
Die kommenden drei bis fünf Jahre werden darüber entscheiden, ob Deutschland und Europa eine zentrale Rolle auf dem entstehenden Markt für KI-basierte und humanoide Roboter spielen werden. Deshalb brauchen wir ein Instrument, mit dem sich unsere exzellenten Forschungsergebnisse zügig in erfolgreiche Unternehmen von internationalem Format überführen lassen. Die SPRIND Challenge bietet dafür eine hervorragende Plattform.
Was ist der größte Engpass, der die Entwicklung der europäischen Robotik derzeit ausbremst?
Wir benötigen leistungsfähigere und zugleich kosteneffiziente Hardware. Darüber hinaus müssen wir uns mit größtmöglicher Entschlossenheit am Wettlauf um Physical AI beteiligen, Daten sammeln, Modelle entwickeln und Anwendungen umsetzen, die frühzeitig tragfähige Geschäftsmodelle ermöglichen. Nicht zuletzt brauchen wir Investitionen, um Technologieunternehmen aufzubauen, die im internationalen Wettbewerb bestehen und weltweit sichtbar sein können.
Was sollte die Öffentlichkeit Ihrer Meinung nach unbedingt über Robotik wissen?
Robotik zählt zu den wichtigsten Zukunftstechnologien. Sie wird unsere Gesellschaft und unser Leben grundlegend prägen. Infolge des demografischen Wandels werden Europa in den kommenden zehn Jahren 20 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Mindestens die Hälfte davon durch Roboter aus Deutschland und Europa zu ersetzen, ist eine enorme Herausforderung und zugleich entscheidend, um unseren Wohlstand zu sichern. Dabei müssen wir sicherstellen, dass Roboter zuverlässige Helfer sind, die unseren Werten entsprechen und den Bedürfnissen unserer Gesellschaft gerecht werden. Vor allem aber müssen sie der Gesellschaft als Ganzes zugutekommen. Deshalb ist es so entscheidend, dass wir uns mit Nachdruck und erheblichen Ressourcen in diesem Bereich engagieren.
Welche praktische Aufgabe würden Sie am liebsten schon morgen von einem Roboter erledigen lassen?
Die wöchentlich Reinigung meiner Wohnung.
Wie würde ein echter Durchbruch in der Robotik innerhalb der nächsten drei Jahre aussehen?
Fünf bis zehn große Unternehmen für humanoide und KI-basierte Roboter in Europa zu haben, die diese Roboter in zahlreichen Anwendungsbereichen als Konsumgüter einsetzen und damit eine Industrie hervorbringen, die in ihrer Größe und Bedeutung mit der heutigen Automobilindustrie vergleichbar ist. Diese Roboter verfügen über ein allgemeines Problemlösungswissen, das dem Informationswissen heutiger Vision-Language-Modelle ähnelt. Menschen, die mit den jeweiligen Alltagsaufgaben vertraut sind, aber keine Robotikexperten sind, können dieses Wissen auf konkrete Aufgaben übertragen und verfeinern.