In den nächsten drei Jahren wird es eine Art Autovervollständigung für die reale Welt geben. Man führt eine Aufgabe aus, drückt einen Knopf und der Roboter übernimmt und wiederholt die Aufgabe. Allein dadurch werden ganz neue Arten von Kleinunternehmen möglich.

Interview Andreas Klinger

Ein Ganzkörper-Portrait von Andreas Klinger, der mit dem Rücken an einer grauen Wand lehnt, an der bunte Buchstaben kleben. Ein Bein ist aufgestellt, beide Hände hat er in den Jackentaschen.

Andreas Klinger ist Gründer und Investor bei PROTOTYPE, einem Fonds für Frühphaseninvestitionen, der europäische Gründerinnen und Gründer in den Bereichen Robotik, Automatisierung und Fertigung unterstützt. Zuvor war er CTO bei Product Hunt und On Deck und bekleidete leitende Positionen bei AngelList und CoinList. Außerdem initiierte er EU Inc, eine Initiative für eine einheitliche europäische Rechtsform für Start-ups.

Warum muss es diese Initiative gerade jetzt geben?

Wir stehen vor einem entscheidenden Durchbruch im Bereich Physical AI. Jede Branche wird durch neue Maschinen grundlegend neu gedacht werden. Europa ist ein industrielles Zentrum und dafür bekannt, die besten Maschinen zu bauen. Diesen Wettlauf dürfen wir nicht verlieren.

Was ist der größte Engpass, der die Entwicklung der europäischen Robotik derzeit ausbremst?

  1. Ein fehlender, funktionierender Kapitalmarkt auf kontinentaler Ebene, der die Attraktivität von Risikokapital als Anlageklasse einschränkt.
  2. Die Denkweise, man könne die Herstellung der besten Produkte auslagern und dennoch selbst weiterhin als Hersteller der besten Produkte gelten.
  3. Eine Kluft zwischen den Generationen und Netzwerken junger Hardware-Start-ups und den marktführenden Zulieferern.

Was sollte die Öffentlichkeit Ihrer Meinung nach unbedingt über Robotik wissen?

Es geht nicht darum, ein oder zwei Arbeitsschritte aus einem Prozess zu streichen. Wenn sich deine Arbeit ausschließlich über die Kosten definiert, wurde sie bereits vor zehn Jahren in Niedriglohnländer ausgelagert. Vielmehr geht es darum, neu zu denken, was sich überhaupt herstellen lässt. Als beispielsweise CNC-Maschinen eingeführt wurden, senkte das nicht einfach nur die Arbeitskosten im Maschinenbau. Es ermöglichte den Herstellern, völlig neue Funktionen und Produkte anzubieten und damit auf einem globalen Markt wettbewerbsfähig zu sein. Darüber hinaus wird Automatisierung es uns ermöglichen, Branchen zurückzuholen, die wir längst verloren glaubten – etwa die Textilproduktion.

Welche praktische Aufgabe würden Sie am liebsten schon morgen von einem Roboter erledigen lassen?

In den nächsten drei Jahren wird es eine Art Autovervollständigung für die reale Welt geben. Man erledigt eine Aufgabe (beispielsweise das Packen von Weihnachtspaketen für den eigenen Onlineshop), drückt einen Knopf und der Roboter übernimmt die Aufgabe und wiederholt sie. Allein dadurch werden ganz neue Arten von Kleinunternehmen möglich.

Wie würde ein echter Durchbruch in der Robotik innerhalb der nächsten drei Jahre aussehen?

Die große offene Frage der kommenden drei bis acht Jahre ist, wie universell einsetzbar Roboter sein werden. Werden sie klar definierte Aufgaben in bestimmten Umgebungen wiederholt ausführen können? Oder lassen sie sich auch ohne jeglichen Kontext in völlig neue Szenarien schicken? Derzeit kann niemand sagen, wann wir so weit sein werden. Doch genau darin liegt die größte Chance unserer Generation.