Die Robotik bewegt sich gerade von Demonstrationen hin zum praktischen Einsatz. Wer in den kommenden Jahren die Schlüsseltechnologien entwickelt, wird die Regeln für die nächsten Jahrzehnte bestimmen. Eine Challenge wie diese gibt europäischen Teams die Möglichkeit, sich durch ihre Ambitionen zu behaupten und nicht allein durch ihr Budget.
Interview Lukas Ziegler

Lukas Ziegler ist Gründer von botnanza und Business Angel für Robotik-Start-ups in der Frühphase. Er hat bereits mehr als 150 Robotikunternehmen besucht und veröffentlicht Beiträge zu globalen Entwicklungen in der Robotik, denen rund 250.000 Menschen folgen. Darüber hinaus ist er Venture Partner bei First Momentum und Cybernetix und lehrt an der Warsaw University of Technology Business School.
Warum muss es diese Initiative gerade jetzt geben?
Ich habe mehr als 150 Robotikunternehmen besucht. Selbst die besten in Europa sind noch zu klein und werden viel zu leicht übersehen. Die Robotik bewegt sich gerade von Demonstrationen hin zum praktischen Einsatz. Wer in den kommenden Jahren die Schlüsseltechnologien entwickelt, wird die Regeln für die nächsten Jahrzehnte bestimmen. Eine Challenge wie diese gibt europäischen Teams die Möglichkeit, sich durch ihre Ambitionen zu behaupten und nicht allein durch ihr Budget.
Was ist der größte Engpass, der die Entwicklung der europäischen Robotik derzeit ausbremst?
Es fehlt an Kapital für die Skalierung und an dem Vertrauen, das damit einhergeht. Wir haben hervorragende Forschende und starke Industriekunden, aber zu viele Teams nehmen eine kleine Finanzierungsrunde auf, entwickeln etwas Beeindruckendes und ziehen dann in die USA oder werden aufgekauft, bevor sie richtig wachsen können. Wir brauchen hier Investoren und Abnehmer, die bereit sind, langfristig in Hardware zu investieren.
Was sollte die Öffentlichkeit Ihrer Meinung nach unbedingt über Robotik wissen?
Roboter tauchen nicht plötzlich auf, um alle Menschen zu ersetzen. Die meisten übernehmen monotone, repetitive oder gefährliche Arbeiten, die Menschen ohnehin nur ungern erledigen. Je mehr Menschen echte Roboter aus nächster Nähe erleben, desto weniger bedrohlich wirken sie. Und genau deshalb tue ich, was ich tue.
Welche praktische Aufgabe würden Sie am liebsten schon morgen von einem Roboter erledigen lassen?
Die gefährlichen Arbeiten in Branchen wie dem Bergbau, der Energieversorgung sowie der Öl- und Gasindustrie. Die Inspektion von Pipelines, Arbeiten tief unter der Erde oder die Überprüfung von Anlagen in explosionsgefährdeten oder giftigen Umgebungen setzen Menschen nach wie vor täglich erheblichen Risiken aus.
Wie würde ein echter Durchbruch in der Robotik innerhalb der nächsten drei Jahre aussehen?
Ein universell einsetzbarer Roboter, der in ein ihm unbekanntes Lager oder eine neue Fabrik kommt und innerhalb eines Tages nützliche Aufgaben übernehmen kann, ohne monatelang individuell programmiert werden zu müssen. Dafür müsste er aus wenigen Demonstrationen lernen und sicher neben Menschen arbeiten können. Wenn die Kosten für die Einrichtung dadurch so stark sinken, wird sich der Einsatz von Robotern überall gleichzeitig schneller verbreiten.