19.10.2026

VOM ABFALL ZUM INDUSTRIELLEN MASSENPRODUKT:

EveryCarbon gewinnt die SPRIND Challenge Circular Biomanufacturing

Kann ein Replikator wie aus Star Trek eines Tages Realität werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der dreijährigen SPRIND Challenge Circular Biomanufacturing. Vier Teams haben die letzte Stufe des Wettbewerbs abgeschlossen und gezeigt, dass die kontinuierliche Fermentation zur Herstellung kostengünstiger Massenmaterialien in großen Mengen ein wirtschaftlich attraktives Geschäftsmodell sein kann. Die Jury kürte EveryCarbon zum Gewinner. Das Unternehmen entwickelt ECOne™, einen Polyester, der Kunststoffe auf fossiler Basis in verschiedenen industriellen Anwendungen ersetzen soll.

Die im November 2023 gestartete Challenge begann mit acht Teams. Ziel war es, einen End-to-End-Prototyp zu entwickeln, der verschiedene Abfallströme in einem kontinuierlichen Bioproduktionsprozess zu neuen Produkten verarbeitet. Die Teams mussten nachweisen, wie sich diese Abfallströme aufbereiten und als Ausgangsstoffe für Mikroorganismen eines einzelnen Stammes nutzen lassen, wie eine kontinuierliche Fermentation über mindestens 180 Tage aufrechterhalten werden kann und wie sich mindestens drei verschiedene industrielle Massenprodukte herstellen lassen. Der Wettbewerb erstreckte sich über drei Stufen. Auf Grundlage ihrer Fortschritte wurden die Teams evaluiert und für eine weitere Förderung ausgewählt.

Ein leicht gelbliches, pulverartiges Material liegt neben drei plastikähnlichen Sticks auf einem neutralen Grund

Vom Abfall zum Wertstoff

EveryCarbon hat einen Weg gefunden, kostengünstige Materialien in großen Mengen biotechnologisch herzustellen, und die Jury mit einem einzigartigen Ansatz überzeugt, der kontinuierliche Fermentation mit chemischer Synthese verbindet. Das erste kommerzielle Produkt des Teams ist ECOne™, ein Polyester für Dämmstoffe, Schmelzklebstoffe und Spritzgussanwendungen in der Bau-, Automobil- und Elektronikindustrie.

Nach Angaben des Teams nimmt ECOne™ ebenso wenig Wasser auf wie herkömmliche Kunststoffe auf fossiler Basis, bleibt unter Hitze formstabil und verursacht bei der Herstellung weniger CO₂-Emissionen. Im Verlauf der Challenge betrieb EveryCarbon seine Fermentation 180 Tage lang kontinuierlich. Das Unternehmen errichtete eine containerbasierte Pilotanlage auf dem Gelände einer Kläranlage und entwickelte einen digitalen Zwilling. Dieser soll den Weg zu einem künftig vollständig autonom betriebenen Produktionssystem ebnen. Die Kommerzialisierung ist bereits angelaufen: Die Pilotproduktion läuft, und das Team bereitet derzeit die Skalierung hin zum kommerziellen Betrieb vor.

Wir haben mit einem Bakterienstamm und einer Skizze auf Papier angefangen. SPRIND hat die Ziele gesetzt und uns die Freiheit gelassen, unseren eigenen Weg zu finden, und das Team hat sie voll genutzt. Jetzt bringen wir ECOne™ in den Markt und lassen jedes Kohlenstoffatom zählen - Sebastian Beblawy, CEO und Mitgründer von EveryCarbon

Vom Prototyp zur industriellen Produktion

Zwei weitere Teams, die die letzte Stufe abgeschlossen haben, betrieben ebenfalls erfolgreich kontinuierliche Fermentationsprozesse und entwickelten eigene Produkte. Ein weiteres Team legte den Schwerpunkt auf die kontinuierliche Produktion. C3 Biotech stellt Acrylglas aus landwirtschaftlichen Abfällen her, Biophelion entwickelt kostengünstige pilzbasierte Bioprozesse und Amphistar produziert Biotenside aus gebrauchtem Speiseöl.

Patrick Rose, Innovation Manager bei SPRIND und Challenge Lead, erklärt: Wir sind sehr stolz auf das, was wir gemeinsam mit den Teams durch unser Challenge-Programm erreicht haben, und darauf, wie wir sie mit unserem Mentoring-Programm auf ihrem Weg zur Kommerzialisierung unterstützen konnten.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass sich die biotechnologische Herstellung industrieller Massenprodukte bereits technisch umsetzen lässt. Diese Challenge war erst der Anfang, um zu zeigen, wie ein wirtschaftlich tragfähiger biotechnologischer Herstellungsprozess in absehbarer Zukunft aussehen könnte. Langfristiges Ziel ist es, den Großteil der Massenprodukte mithilfe biotechnologischer Herstellungsprozesse aus lokal verfügbaren Rohstoffen zu produzieren. Dafür braucht es Verfahren, die sich wirtschaftlich skalieren lassen und im industriellen Maßstab zuverlässig betrieben werden können.

Für alle vier Teams besteht der nächste Schritt darin, ihre Pilotanlagen auf die industrielle Produktion zu skalieren. Die SPRIND Challenge hat gezeigt, dass eine kontinuierliche Bioproduktion über längere Zeiträume technisch machbar ist. Ob sich diese Prozesse auch im industriellen Maßstab bewähren, hängt von der weiteren Skalierung und der Kommerzialisierung ab.

Zwei Männer arbeiten an einer Anlage mit Fässern und Schläuchen

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