29.9.2026

ERSTER WELTREKORD AUS DEM SPRIND KOSMOS

Das höchste Windrad der Welt steht

Der Höhenwindturm in Schipkau in der Lausitz hat seine endgültige Höhe von 365 Metern erreicht. Mit einer Nabenhöhe von 300 Metern ist die Anlage die höchste Windenergieanlage der Welt und zugleich das zweithöchste Bauwerk Deutschlands. Nur der Berliner Fernsehturm ist höher.

Höhenwindrad umgeben von Landschaft
Person mit T-Shirt-Aufdruck "Pessimism is a waste of time" schaut nach oben zu Höhenwindrad.

Warum ist hier größer gleich besser?

Damit überragt das Höhenwindrad die umliegenden bestehenden Windräder im ehemaligen Braunkohlerevier mit ihrer üblichen Höhe von 150-250 Meter deutlich. Die Anlage erschließt starke Höhenwinde und schafft damit die Voraussetzung für die ertragreichsten Onshore-Windenergieanlagen der Welt. Der Vorteil: Die Höhenwindräder können perspektivisch als sogenannte zweite Etage in bestehende Windparks gebaut werden. So kann auf bestehenden Flächen der Ertrag gesteigert werden. Außerdem weht der Wind in dieser Höhe beständiger und verlässlicher.

In Deutschland besteht nach bisherigen Potenzialabschätzungen die Möglichkeit, bis zu 4.000 Höhenwindtürme in bereits bestehenden Windparks als zweite Etage nachzurüsten. Damit könnte zusätzliche Windenergie erzeugt werden, ohne neue Windparkflächen erschließen zu müssen.

Der Hub des Windrads als Meilenstein

Die Teleskopierung des Innenturms markiert den entscheidenden Meilenstein bei der Realisierung des von SPRIND beauftragten Pilotprojekts. Das Höhenwindrad ist ein beeindruckendes Zeugnis deutscher Ingenieurskunst. Realisiert wurde das Projekt von der GICON aus Dresden.

Beim Hub wurde der Innenturm mit einem speziellen Litzenhubsystem auf seine endgültige Höhe gefahren. Dieser Vorgang allein ist eine technische Meisterleistung. Als einschränkender Faktor beim Bau höherer Windräder galt bisher die begrenzte Höhe verfügbarer Baukräne. Dieses Problem löste GICON mit ihrem Konzept besonders clever: Der Höhenwindturm ist sein eigener Kran. Das Fundament und der untere Gittermast-Turm dienten als Außengerüst. In einem hochkomplexen, weltweit einzigartigen Vorgang wurde nun die Spitze des Turms im Inneren des Gerüsts in die Höhe gefahren. Das Verfahren erforderte präzise technische Abläufe und die sorgfältige Abstimmung aller Arbeiten. Nach dem Erreichen der Zielhöhe wurde der Innenturm in seiner ausgefahrenen Position fixiert. Abschließende Arbeiten am Höhenwindturm werden noch einige Tage in Anspruch nehmen.

Die offizielle Inbetriebnahme des Höhenwindturms ist für November geplant. Außerdem entwickelt GICON gemeinsam mit SPRIND ein Konzept zur zukünftigen Vermarktung des Höhenwindturms und steht dazu mit vielen Interessenten aus der Windenergiebranche im Austausch. Mit der Fertigstellung der Pilotanlage soll die Skalierung des Systems vorbereitet werden. Ziel ist es, so schnell wie möglich mit der Serienfertigung zu beginnen.

SPRIND Innovation Manager Dr. Martin Chaumet hat das Projekt von Anfang an begleitet: Das Team von GICON um Prof. Großmann und die weiteren beteiligten Unternehmen zeigen eindrucksvoll, wie aus einer mutigen, innovativen Idee eine konkrete Lösung wird: Mit dem Höhenwindrad in Weltrekordhöhe ist die Chance auf eine ortsnahe, flächenschonende und saubere Energieversorgung innerhalb kürzester Zeit Wirklichkeit geworden. Diese Technik soll in den nächsten Jahren im großen Maßstab zum Einsatz kommen und damit einen substanziellen Beitrag zur deutschen Energiesicherheit liefern.

Prof. Dr. Jochen Großmann, Gründer und Vorsitzender der Geschäftsleitung der GICON, sagt: 365 Meter – das ist ein überwältigender Moment für unser gesamtes Team. Was lange eine anspruchsvolle Idee und dann ein ebenso anspruchsvolles Bauvorhaben war, steht nun als weltweit einzigartige Anlage in Schipkau. Dieser Weltrekord gehört allen, die mit ihrem Wissen, ihrem Einsatz und ihrer Ausdauer dazu beigetragen haben – auf der Baustelle und in den vielen Teams hinter dem Projekt. Darauf sind wir bei GICON außerordentlich stolz.

Drei Personen stehen vor Höhenwindrad, das im Hintergrund errichtet wird
Dr. Frank Adam (GICON), Martin Chaumet (SPRIND) und Prof. Jochen Großmann (GICON) (v. l. n. r.)

Die Geschichte beginnt in Leipzig

Die Idee zur Höhenwindenergieanlage kam durch Professor Horst Bendix zur SPRIND. Der Ur-Leipziger war nicht nur viele Jahre lang Technik- und Forschungschef beim Leipziger Schwermaschinenbauer Kirow, sondern auch Hochschulprofessor und Berater im Ingenieurswesen. In seinem Ruhestand tüftelte der begeisterte Erfinder jahrzehntelang an seiner Idee eines Höhenwindrads. 2019 reichte er seine Idee bei der SPRIND ein. SPRIND griff die grundsätzliche Idee einer Höhenwindenergieanlage des damals 91-Jährigen auf und ließ drei vielversprechende Konzepte validieren. Dazu zählte das Konzept des Ingenieurunternehmens GICON, die selbst mehr als zehn Jahren an Lösungen für Höhenwindenergieanlagen gearbeitet hatten und zügig als Partner beauftragt werden konnten. 2022 errichteten SPRIND und GICON dann den weltweit höchsten Windmessmast auf der Hochfläche Klettwitz im südlichen Brandenburg. Der Mast konnte zwischen Mai 2023 und Mai 2024 ein Jahr erfolgreich Daten sammeln und unter anderem die Annahme bestätigen, dass der Wind in größeren Höhen stärker und verlässlicher weht. Auf Basis der Messungen, fiel Ende 2024 der Startschuss für die Realisierung des Höhenwindrads mit GICON.

In besonderer Dankbarkeit erinnern wir an Prof. Bendix, der uns das Potenzial der Höhenwindenergie bereits zur Gründung der SPRIND nahegebracht hat. Unser Dank gilt ebenso unserem Aufsichtsrat und dem Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Ohne ihr Vertrauen und ihre Unterstützung wäre dieses erste Großprojekt der SPRIND nicht möglich gewesen, so Dr. Martin Chaumet.

Portrait Horst Bendix vor grauem Hintergrund
Horst Bendix
Horst Bendix vor technischen Zeichnungen zum Höhenwindrad

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