2.9.2026

WAS PASSIERT, WENN DROHNEN SELBST ENTSCHEIDEN?

SPRIND Funke Fully Autonomous Flight 2.0: Sieben Teams, ein Finale, ein Sieger

Eine Drohne hebt ab. Kein Pilot steuert sie, keine satellitengestützte Navigation weist ihr den Weg. Die Aufgabe: Ein Paket bei Haus Nummer 14 vor dem roten Fahrrad abliefern. Oder eine verletzte Person mit blauem T-Shirt in einem Waldstück finden. Den Weg dorthin muss die Drohne selbstständig finden und die Mission ohne menschliches Eingreifen erfüllen.

Was auf den ersten Blick nach einer machbaren Aufgabe klingt, stellt autonome Flugsysteme vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Sie müssen ihre Umgebung erfassen, sich darin sicher orientieren, Entscheidungen treffen und diese unmittelbar in geeignete Flugbewegungen übersetzen. Nur so können sie ihr Ziel erreichen, ohne sich und andere zu gefährden.

Diese komplexe Aufgabenstellung stand im Fokus des SPRIND Funken Fully Autonomous Flight 2.0.

In der letzten Augustwoche 2026 trafen sich sieben Teams der zweiten und finalen Stufe aus Deutschland und Europa auf dem Fliegerhorst der Bundeswehr in Erding zum Finale des Wettbewerbs. An zwei Tagen mussten die Teams vier anspruchsvolle Aufgaben unter den Augen der internationalen Jury bewältigen. Am dritten Tag konnten die Teams die Fähigkeiten ihrer Systeme vor Investoren und Fachleuten aus Wissenschaft und Militär demonstrieren.

Eine fliegende Drohne vor einem Gebäude
Drohnen Testgelände von oben
Fünf Männer mit Warnweste und Helmen mit Drohnentechnik

Schneller entwickeln, präziser fliegen

Mit dem ersten SPRIND Funken Fully Autonomous Flight begann 2022 eine Entwicklungsreise, die mit der zweiten Auflage dieses Innovationswettbewerbes unmittelbar fortgesetzt wurde. Die Teams konnten ihre Systeme unter realen Bedingungen testen, die gewonnenen Erkenntnisse direkt in die Entwicklung einfließen lassen und innerhalb kurzer Zeit erneut an den Start gehen.

Diese schnellen Iterationszyklen sind entscheidend für die Entwicklung autonomer Flugsysteme. Fehler erkennen, Systeme anpassen, erneut testen und die nächsten Erkenntnisse gewinnen. Experimentelle Systeme wurden so in kürzester Zeit immer robuster und leistungsfähiger.

Dabei mussten nicht nur einzelne Komponenten weiterentwickelt werden. Sensorik, Navigation, Flugsteuerung, künstliche Intelligenz und Software mussten zuverlässig integriert werden.

Nahaufnahme einer fliegenden Drohne
Zwei fliegende Drohnen am Himmel

Autonomie heißt entscheiden

Eine der beiden Missionen simulierte die Paketzustellung auf der letzten Meile. Die zweite Mission führte die Systeme in das Szenario Search & Rescue.

In der ersten Aufgabe musste eine liegende Person mit blauem Hemd in einem Waldgebiet gefunden werden. In der zweiten Aufgabe bewegte sich die Zielperson. Die Drohne musste die beschriebene Person selbstständig identifizieren, verfolgen und über einen definierten Zeitraum Tracking-Daten übermitteln. Dieses Szenario entspricht beispielsweise der Suche nach demenzkranken Personen, die orientierungslos umherirren.

Zwei Missionen, die auf unterschiedliche Weise dieselbe Frage stellten: Kann eine Drohne bzw. der dahinterstehende Algorithmus eine Aufgabe verstehen und selbstständig lösen?

Nach der Übermittlung der Aufgabenstellung begann die eigentliche Herausforderung; Die Drohne musste selbstständig starten und sich zunächst orientieren. Sensoren und Kameras lieferten Informationen über die Umgebung, in der sie sich bewegte. Algorithmen verarbeiteten diese Informationen und entschieden, was als Nächstes zu tun war.

Wo befindet sich das Ziel? Welcher Flugweg ist geeignet? Was ist ein Hindernis und was nicht? Wie lässt sich die Mission unter den gegebenen Bedingungen am zuverlässigsten erfüllen?

Hinter den wenigen Minuten eines erfolgreichen autonomen Fluges lagen 14 Monate Entwicklung. Alle sieben Teams haben sich während des Funkens enorm weiterentwickelt. Gleichzeitig zeigte das Finale, wie schwierig es ist, die komplexe Kombination aus Hard- und Software auf den Tag genau zuverlässig zum Fliegen zu bringen.

Auch das Wetter machte es den Teams nicht leicht. Die Bedingungen während der Finalwoche variierten von 17 Grad und Regen bis zu 29 Grad und intensiver Sonne. Für Menschen sind das vor allem unterschiedliche Wetterlagen. Für eine Drohne bedeuten sie unter anderem unterschiedliche thermische Bedingungen, wechselnde Sichtverhältnisse und Belastungen für die sensible Elektronik.

Am Ende zählt nicht, wie gut ein System unter perfekten Laborbedingungen funktioniert. Es muss genau funktionieren, wenn die Mission beginnt.

Fünf Männer diskutieren unter einem Pavillon

Wenn die Verfolgung nicht endet

Besonders eindrucksvoll zeigte sich die Leistungsfähigkeit der Systeme bei den Search & Rescue-Aufgaben. Eine Zielperson bewegte sich durch das Gelände. Sie trug ein blaues Shirt und versuchte, von der Drohne nicht entdeckt zu werden.

Das Gewinnerteam HERMES von der Universität Klagenfurt zeigte dabei eindrucksvoll, was autonome Verfolgung inzwischen leisten kann. Die Drohne blieb an der Zielperson, obwohl sie sich versteckte, Rauchfackeln zündete oder einen Regenschirm aufspannte.

Was dabei auf dem Bildschirm wie ein einzelner erfolgreicher Flug aussieht, ist das Ergebnis einer Vielzahl autonomer Entscheidungen, die innerhalb kürzester Zeit getroffen werden müssen.

Genau hier wird sichtbar, was den Unterschied zwischen automatisiertem und autonomem Fliegen ausmacht. Die Drohne führt nicht einfach ein vorher programmiertes Skript aus. Sie reagiert auf das, was passiert.

Der SPRIND Funke "Fully Autonomous Flight 2.0" ging ins Finale. Im Video wird der Flug der Drohne des Gewinner Teams "Hermes" gezeigt.

Ein Schritt näher an die Realität

Alle sieben Teams haben in Erding demonstriert, wie leistungsfähig ihre autonomen Flugsysteme inzwischen geworden sind.

Autonome Drohnen können vermutlich schon in wenigen Jahren dort eingesetzt werden, wo menschliche Steuerung schwierig, gefährlich, ressourcenintensiv oder schlicht zu langsam ist: bei Such- und Rettungseinsätzen, bei der Lieferung von Waren oder bei der Überwachung und Instandhaltung kritischer Infrastruktur.

Der SPRIND Funke Fully Autonomous Flight 2.0 hat gezeigt, wie viel auf diesem Weg bereits heute möglich ist.

Zwei Personen mit Warnweste tragen eine Drohne