30.7.2026

EUROPA MUSS RAUMFAHRT NEU DENKEN

Von der öffentlich finanzierten Raumfahrt zur Orbital Economy. Eine Strategie für Souveränität, Wohlstand und Sicherheit

Die ausführliche Fassung dieser Strategie steht hier zum Download zur Verfügung.

Die Raumfahrt entwickelt sich von einer staatlich geprägten Hochtechnologiebranche zur Grundlage einer neuen industriellen Wertschöpfungsordnung – der Orbital Economy. Das weltweite Marktvolumen wird für 2040 auf über 1,7 Billionen Euro geschätzt. Die USA und China investieren mit hoher Geschwindigkeit in diese Entwicklung und verfolgen dabei eine klare industrie- und geopolitische Strategie. Europa hat in den vergangenen Jahren wiederholt unterschätzt, dass aus visionären Raumfahrtunternehmen völlig neue Industrien entstehen können.

Die Folgen sind sichtbar: Tesla beschleunigte den Strukturwandel der Automobilindustrie, SpaceX veränderte mit Falcon und Starship den globalen Trägermarkt und löste Europas Launcher-Krise aus. Starlink definiert heute den Markt für satellitengestützte Kommunikation neu. Europa verfügt mit seiner industriellen Basis, seiner Forschungslandschaft und den angekündigten Investitionen in Raumfahrt und Verteidigung über die Mittel, den Rückstand gegenüber den USA und China durch gezielte und radikale Innovationen sprunghaft zu verkürzen. Europa darf diese historische Chance nicht ein weiteres Mal verpassen.

SPRIND versteht Raumfahrt als Ausgangspunkt für neue industrielle Wertschöpfungsketten und neue Märkte. Der Aufbau einer europäischen Orbital Economy wird nicht allein durch Forschung und klassische Förderprogramme gelingen. Er erfordert Sprunginnovationen und unternehmerische Ökosysteme, die bestehende technologische und wirtschaftliche Entwicklungspfade bewusst verlassen.

Darauf aufbauend kann SPRIND ein langfristiges Portfolio missionsorientierter Challenges etablieren, das die fünf Ausbaustufen der Orbital Economy adressiert und gezielt neue Märkte, Unternehmen und industrielle Wertschöpfung in Europa entstehen lässt.

Zur Erreichung dieser Ziele schlägt SPRIND eine Strategie entlang von fünf Ausbaustufen vor:

Titelbild Orbital Economy mit abstraktem Farbverlauf

Aufbau wettbewerbsfähiger europäischer Hin- und Rücktransportsysteme als Grundlage jeder wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aktivität im Weltraum.

a. Europäische Responsive-Space-Fähigkeit: Die Zeit von einer Entscheidung bis zum Abheben einer Rakete muss auf wenige Stunden reduziert werden.

b. Das europäische Raumflugzeug: Entwicklung eines horizontal startenden und landenden Raumflugzeuges, für Punkt-zu-Punkt-Transporte.

Aufbau souveräner Kommunikations-, Navigations- und Erdbeobachtungssysteme als digitales Rückgrat Europas.

a. Europäisches Satelliteninternet: Entwicklung einer wirtschaftlich tragfähigen und sicherheitspolitisch belastbaren Kommunikationsinfrastruktur unter Einbindung kommerzieller NewSpace-Unternehmen.

b. KI-native Erdbeobachtung: Echtzeit-Informationen nutzen, Ereignisse selbstständig für Wirtschaft, Verwaltung und Sicherheit erkennen, priorisieren, bereitstellen.

c. Navigation der nächsten Generation: Entwicklung von zentimetergenauen Positionierungs-, Navigations- und Zeitdiensten (PNT).

d. Europäischer Very Low Earth Orbit (VLEO) Layer: Intelligenter, hochdynamischer Infrastruktur-Layer für zivile, industrielle und sicherheitsrelevante Anwendungen im ultra-niedrigen Orbit.

e. Orbital Traffic Management als Verkehrsleitsystem der Orbital Economy: Integriertes Weltraumlagebild für Satelliten, Raumfahrzeuge und Weltraumschrott, um Kollisionen vorherzusagen; langfristig wie Flugsicherung im Luftverkehr.

Entwicklung einer europäischen Low Earth Orbit (LEO) Economy mit den Säulen Infrastruktur, Daten, Produktion und Kreislaufwirtschaft.

a. Industrielle Infrastruktur der Orbital Economy: Kommerzielle Raumstationen, Instandhaltungsdienstleister sowie Transport- und Rückführsysteme.

b. Orbital Computing als Europas nächste Dateninfrastruktur: Die Verarbeitung der industriellen Daten sollte am Ort ihrer Entstehung erfolgen, für eine schnelle und sichere Informationslogistik.

c. Schwerelosigkeit als neuer Produktionsfaktor: Schwerelosigkeit bietet physikalische Umgebungsbedingungen, die Europa für Pharma, Biotechnologie, Halbleiter, Werkstoffe und Quantentechnologien strategisch nutzen sollte.

d. Zirkuläre Orbital Economy: Hohe Investitionskosten erfordern geschlossene Wertschöpfungsketten, um Kosten langfristig gering zu halten.

Positionierung Europas im Raum zwischen Erde und Mond als nächster industrieller Entwicklungsstufe.

a. Europäische cislunare Logistik: Eigenständige autonome europäische Transport- und Logistikarchitektur zwischen Erde, Mondorbit und Mondoberfläche.

b. Autarke Mondinfrastruktur: Autonome Bau- und Explorationssysteme, Energieversorgung und eigenständige Kommunikations- und Navigationsnetze.

Entwicklung hochautarker Technologien für den Mars mit unmittelbarem Nutzen für Industrie, Nachhaltigkeit und Resilienz auf der Erde.

a. Deep Space als Technologieplattform: Entwicklung vollständig geschlossener Lebens- und Ressourcenkreisläufe, hochautonome Robotik, intelligente Energieversorgung sowie KI-basierte Betriebs- und Wartungssysteme.

b. Deep-Tech-Transfer zur Erde: Systematischer Transfer der Deep-Space-Aktivitäten als Innovationsmotor für Europas nachhaltige Transformation.

Europa verfügt noch über die Möglichkeit, diesen neuen Wirtschaftsraum aktiv mitzugestalten. Das Zeitfenster schließt sich jedoch schnell. Wer heute die Orbital Economy aufbaut, gestaltet die industrielle Wertschöpfung der kommenden Jahrzehnte.

Die ausführliche Fassung dieser Strategie steht hier zum Download zur Verfügung.

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